886
Vanini erklärte, daß ein Strohhalm ihm genüge, um das Daseyn Gottes zu beweisen.
887
In derselben Weise, aber doch mit einem ganz andern Rechte, da ein ganz anderer Erfolg für mich spricht, kann ich sagen, daß ich aus einem Strohwisch, der sich mir etwas aufdringlich in meinem Wege entgegenstellen wollte, das Wesen der jetzigen Theologie deducirt habe. Herr Gruppe war so geschwäßig, daß er alle Wendungen verrieth und vorbrachte, die den jetzigen Theologen noch zu Gebote stehen, wenn sie die Kritik vernichten wollen.
888
Ich bin überzeugt, daß Herr Gruppe über die Ehre, die ich ihm damit angethan habe, daß ich aus seinen Orakeln so viel Wesens gemacht habe, nicht zu stolz werden wird. Seine Bescheidenheit haben wir bereits hinlänglich kennen gelernt und sollte er sich dennoch überheben wollen, so wird, um die Sache wieder ins Gleiche zu bringen, von meiner Seite die wiederholte Bemerkung hinreichen, daß es nur zufällig war, wenn ich gerade Herrn Gruppe über das Wesen der Theologie befragte und daß jeder andere Strohwisch mir dieselben Geheimnisse verrathen konnte. So bescheidenen Gegnern gegenüber muß man nämlich aufrichtig eingestehen, daß man vorher Nichts vom Wesen der Theologie verstand und ohne ihre Eröffnungen noch diesen Augenblick im Finstern tappen würde.
889
Da wir aber nun einmal so glücklich sind und über Alles die genügendsten Aufschlüsse erhalten haben, so wäre es höchst gleichgültig für die Sache, wenn man uns Schiffsladungen von Stroh zusenden oder uns mit Stroh überschütten wollte. Ein Halm sagt uns nicht mehr als der andere; ein Wisch ist nicht klüger als der andere.
890
Da wir aber nun einmal so glücklich sind und über Alles die genügendsten Aufschlüsse erhalten haben, so wäre es höchst gleichgültig für die Sache, wenn man uns Schiffsladungen von Stroh zusenden oder uns mit Stroh überschütten wollte. Ein Halm sagt uns nicht mehr als der andere; ein Wisch ist nicht klüger als der andere.
891
Meine Arbeit – ich muß es gestehen – ist sogar darauf angelegt, daß sie jede neue Zufuhr von theologischen Bekenntnissen überflüssig machen, als überflüssig darstellen und im voraus und für immer ihre Würdigung enthalten soll.
892
Ich habe gewonnen. Ich wollte zeigen, daß die Kritik allein, daß nur die Kritik die ganze Angelegenheit übersieht und beherrscht, daß sie allein die Collision richtig darstellen und lösen kann, daß von theologischer Seite her Nichts gesagt und vorgebracht werden kann, was die Kritik nicht richtiger und sie allein richtig sagt: Alles das habe ich nun auch in der Weise gezeigt, daß ich meine Schrift schrieb, ohne die Herausgabe der Facultäts-Gutachten abzuwarten. Ich habe diese Gutachten in voraus gewürdigt und die letzte Würdigung lasse ich ihnen jetzt angedeihen, indem ich über sie schweige. Nach der umfassenden Darstellung des Gegensatzes, die ich in meiner Schrift nun gegeben habe, fallen sie in ihrer theologischen Dürftigkeit, Schwäche und Verworrenheit zusammen, sie bringen Nichts vor, was ich nicht in der Darstellung des Gegensatzes schärfer und reiner gesagt, und sie stellen keine Anklage auf, die ich nicht bereits widerlegt hätte.
893
Indem die Gutachten erscheinen, befindet sich mein Werk schon seit längerer Zeit unter der Presse und sie erscheinen gerade noch zur rechten Zeit, damit ich es anhangsweise aussprechen kann, daß ich sie bereits gewürdigt habe.
894
Indem die Gutachten erscheinen, befindet sich mein Werk schon seit längerer Zeit unter der Presse und sie erscheinen gerade noch zur rechten Zeit, damit ich es anhangsweise aussprechen kann, daß ich sie bereits gewürdigt habe.
895
Was ich in Betreff ihrer zu thun habe, wird nur in einer kurzen Charakteristik des Verhältnisses bestehen, in welchem sie nicht etwa zu meinen kritischen Arbeiten oder zur Kritik überhaupt – denn Alles das ist, wie gesagt, bereits abgemacht – sondern gegenseitig zu einander stehen.
896
Wenn es sich zunächst fragt, welches Gutachten meine Arbeit am richtigsten aufgefaßt habe, so ist die Antwort: das zweite der beiden Gutachten, welche die Facultät zu Greifswald abgegeben hat. Dieses Gutachten, dessen Verfasser, wie man aus Schilderung der Partheien der Hegelschen Schule sieht, durch die Posaunentöne sich bereits haben warnen lassen, stellt die Sache richtig so dar, daß ich das Christenthum nur als etwas zu Negirendes betrachten kann, es erklärt geradezu, daß ich nicht in Unbesonnenheit sondern im Ernst der Consequenz die gesammte christliche Theologie tödtlich bekämpfen muß,“ und es gibt zu, daß ich deshalb, weil ich erst die wahre Erklärung des Christenthums zu geben überzeugt bin, in dieser Erklärung die Verherrlichung desselben zu bewirken meinen muß. (p. 116, 117, 118, 133) Dieses Gutachten widerlegt also dasjenige, welches die andere Hälfte der Greifswalder Facultät abgegeben hat, dessen Verfasser in der Selbsttäuschung leben, daß „Mensch und Gott,“ Religion und Denken in der mittleren Region des sogenannten „Geistes“ sich versöhnen, und auch von mir behaupten, daß meine Weltanschauung eine christliche, dem Christenthum nicht feindselige sey, wenn ich, auch oder gerade deshalb weil ich das Positive, Gegebene, den Buchstaben, die äußere Geschichte oder wenigstens deren Ueberlieferung in den Geist aufhebe. Das zweite Greifswalder Gutachten ist auch diesem ersten ausdrücklich entgegengesezt und widerlegt es Schritt vor Schritt mit entschiedenem Glücke.
897
Das Bonner Gutachten gibt eine fleißig gearbeitete, genaue und ruhig gehaltene Zusammenstellung der Resultate meiner Kritik und sagt von denselben, daß sie einen schreienden Gegensaz mit dem Wesentlichen des Glaubens bilden.
898
Die Königsberger Facultät erklärt zwar, „auf Grund der (damals noch) unvollendet vorliegenden Schrift darüber, wie ich zur ursprünglichen und wesentlichen Substanz des Christenthums stehe, kein entscheidendes Urtheil fällen zu können,“ aber leichter scheint es ihr gewesen zu seyn, zur Einsicht zu kommen, oder (was in theologischen Verhandlungen auf dasselbe hinauskommt) es überhaupt nur auszusprechen, daß meine Kritik - (als ob dann ihr Verhältniß zum Christenthum noch dunkel seyn könnte) - „grund- und maaßlos sey, sich von aller Apologetik losgesagt habe und in unwissenschaftlicher Absichtlichkeit nur im Niederreißen aller evangelischen Geschichte ihre Befriedigung finde.“
899
Wenn jede Facultät sich eigenthümlich benommen hat, die Greifswalder nämlich sich in ihrer Gesammtheit würdig verhalten, in ihrer einen Hälfte ein liebenswürdiges Wohlwollen gegen mich bewiesen, in ihrer andern Hälfte (die sich in dem zweiten Gutachten, Anlage B., ausgesprochen) ein der Höhe der Frage entsprechendes Bewußtseyn - wenn auch immerhin in theologischer Form gezeigt hat, wenn die Bonner Facultät mit philologischer Genauigkeit die Resultate meiner Schrift zusammenstellt, wenn in dem Königsberger Gutachten der theologische Wirrwar sich schon vernehmen läßt, so wird er übermäßig laut in dem Hallischen Gutachten, welches außerdem noch den eigenthümlichen Ruhm hat, daß es vollkommen und bis zum niedrigsten Grade gemein ist. „Ew. Excellenz (so beginnt dieses Votum nach dem Geschäfts-Eingange) haben selbst schon geurtheilt, daß die in der Schrift des B. Bauer hervortretenden Ansichten das Wesentliche und den eigentlichen Bestand der christlichen Wahrheit in ihrem innersten Grunde angreifen,“ und die Facultät kann diesem Urtheil ... nur beitreten. „Die in jedem Sinne devote Facultät hält es dabei – und mit Recht, denn der Devote darf nicht räsonniren – „weder für nöthig noch für geeignet“ – welches Wort! Was das nur hier heißen mag! – sich genauer auf meine Schrift einzulassen. Dennoch, obwohl ich „das Wesentliche und den eigentlichen Bestand der christlichen Wahrheit angreife,“ dennoch kommt die theure Facultät, nachdem sie statt mein Buch zu studiren und seine Methode zu entwickeln, eine nichtssagende theologische Chrie über Etwas, was Noth thut, und über Manches Andere noch hingekriselt hat – ja da kommt die hochwürdige Facultät zu dem Resultat – oder nicht Resultat, sondern zu dem Einfall – denn Alles ist hier Einfall – daß „ich als ein solcher zu betrachten sey, der noch innerhalb des Christenthums stehe, und daß man über den Grad meiner Heterodoxie (– ich bin nur ein Ketzer, nicht ein Anhänger des Antichrists, der den Bestand der christlichen Wahrheit u. s. w. –) aus dem vorliegenden ersten Band meiner Schrift noch kein vollkommen sicheres Urtheil fällen kann.“ (p. 151.) Daß die Facultät nach dem gehörigen Zwischen-Raum d. h. nachdem sie wieder über das Eine, was Noth thut, und über Manches Andere eine herrliche Chrie gegeben hat – eines ganz andern Einfalls sich zu erfreuen hat, werden wir bald sehen. Zunächst bemerke ich nur noch, daß sie Sorge getragen hat, die Gemeinheit ihrer Gesinnung, die Schärfe ihrer Urtheilskraft, das Bündige ihrer Schlußfolgerungen und die Klarheit ihres Verstandes sogleich im Eingange ihres Gutachtens zu erkennen zu geben, wenn sie versichert, sie glaube die ihr vorgelegten Fragen mit um so größerer „Unbefangenheit“ beantworten zu können, „je weniger Eines ihrer Mitglieder der Philosophie zugethan sey, von deren Principien die Kritik des Licentiaten Bauer ausgeht“ – o, ihr Heuchler! Hättet ihr nicht vielmehr fragen sollen, ob nicht mehrere und wie viel der beschränktesten Gegner dieser Philosophie unter euch sitzen? Ob ihr nicht Alle Gegner derselben seyd?
900
niedrigsten Grade gemein ist. „Ew. Excellenz (so beginnt dieses Votum nach dem Geschäfts-Eingange) haben selbst schon geurtheilt, daß die in der Schrift des B. Bauer hervortretenden Ansichten das Wesentliche und den eigentlichen Bestand der christlichen Wahrheit in ihrem innersten Grunde angreifen,“ und die Facultät kann diesem Urtheil ... nur beitreten. „Die in jedem Sinne devote Facultät hält es dabei – und mit Recht, denn der Devote darf nicht räsonniren – „weder für nöthig noch für geeignet“ – welches Wort! Was das nur hier heißen mag! – sich genauer auf meine Schrift einzulassen. Dennoch, obwohl ich „das Wesentliche und den eigentlichen Bestand der christlichen Wahrheit angreife,“ dennoch kommt die theure Facultät, nachdem sie statt mein Buch zu studiren und seine Methode zu entwickeln, eine nichtssagende theologische Chrie über Etwas, was Noth thut, und über Manches Andere noch hingekriselt hat – ja da kommt die hochwürdige Facultät zu dem Resultat – oder nicht Resultat, sondern zu dem Einfall – denn Alles ist hier Einfall – daß „ich als ein solcher zu betrachten sey, der noch innerhalb des Christenthums stehe, und daß man über den Grad meiner Heterodoxie (– ich bin nur ein Ketzer, nicht ein Anhänger des Antichrists, der den Bestand der christlichen Wahrheit u. s. w. –) aus dem vorliegenden ersten Band meiner Schrift noch kein vollkommen sicheres Urtheil fällen kann.“ (p. 151.) Daß die Facultät nach dem gehörigen Zwischen-Raum d. h. nachdem sie wieder über das Eine, was Noth thut, und über Manches Andere eine herrliche Chrie gegeben hat – eines ganz andern Einfalls sich zu erfreuen hat, werden wir bald sehen. Zunächst bemerke ich nur noch, daß sie Sorge getragen hat, die Gemeinheit ihrer Gesinnung, die Schärfe ihrer Urtheilskraft, das Bündige ihrer Schlußfolgerungen und die Klarheit ihres Verstandes sogleich im Eingange ihres Gutachtens zu erkennen zu geben, wenn sie versichert, sie glaube die ihr vorgelegten Fragen mit um so größerer „Unbefangenheit“ beantworten zu können, „je weniger Eines ihrer Mitglieder der Philosophie zugethan sey, von deren Principien die Kritik des Licentiaten Bauer ausgeht“ – o, ihr Heuchler! Hättet ihr nicht vielmehr fragen sollen, ob nicht mehrere und wie viel der beschränktesten Gegner dieser Philosophie unter euch sitzen? Ob ihr nicht Alle Gegner derselben seyd?
901
Wenn ich dem Breslauer Gutachten den Ruhm der lüderlichsten Verworrenheit – es urtheilt über mein Buch ungefähr so wie Herr Gruppe – zugegeben habe, muß ich noch der Berliner Facultät die pflichtschuldige Erklärung geben, daß sie die tiefste Ignoranz über den Standpunkt meiner Kritik verrathen habe. Das Gutachten, das sie abgegeben hat, steht, wenn der wissenschaftliche und sittliche Maaßstab angelegt wird, am niedrigsten. Es spricht in den gewöhnlichen Berliner und Neanderschen Phrasen, wie „Pantheismus, Allegorie“ u. s. w. ob die Welt noch dieselbe wäre, wie vor zehn Jahren, als ob nicht die Phrasen, die Herr Neander bis zum Ueberdruß wiederholt hat, eben durch die neuere Kritik um alle ihre Bedeutung - d. h. auch um die geringe Bedeutung, die sie im Munde eines Theologen haben - gebracht wären. In einem Gutachten nun, dessen Verfasser nur von dem Schreckbilde des Pantheismus und der Allegorischen Erklärung träumen, wird über mein Buch abgeurtheilt, über ein Buch, welches gerade darein sein Verdienst setzt, daß es jene Gespenster vertrieben hat! Das heißt doch wissenschaftlich, das heißt doch sittlich!
902
Wenn ich dem Breslauer Gutachten den Ruhm der lüderlichsten Verworrenheit – es urtheilt über mein Buch ungefähr so wie Herr Gruppe – zugegeben habe, muß ich noch der Berliner Facultät die pflichtschuldige Erklärung geben, daß sie die tiefste Ignoranz über den Standpunkt meiner Kritik verrathen habe. Das Gutachten, das sie abgegeben hat, steht, wenn der wissenschaftliche und sittliche Maaßstab angelegt wird, am niedrigsten. Es spricht in den gewöhnlichen Berliner und Neanderschen Phrasen, wie „Pantheismus, Allegorie“ u. s. w. ob die Welt noch dieselbe wäre, wie vor zehn Jahren, als ob nicht die Phrasen, die Herr Neander bis zum Ueberdruß wiederholt hat, eben durch die neuere Kritik um alle ihre Bedeutung - d. h. auch um die geringe Bedeutung, die sie im Munde eines Theologen haben - gebracht wären. In einem Gutachten nun, dessen Verfasser nur von dem Schreckbilde des Pantheismus und der Allegorischen Erklärung träumen, wird über mein Buch abgeurtheilt, über ein Buch, welches gerade darein sein Verdienst setzt, daß es jene Gespenster vertrieben hat! Das heißt doch wissenschaftlich, das heißt doch sittlich!
903
Doch dieses Gutachten ist so armselig, daß es selbst zu viel gesagt wäre, wenn ich sagen wollte, es urtheile über mein Buch auf eine leichtsinnige und unbesonnene Weise ab: es urtheilt gar nicht, sondern es kreischt wie ein altes, in Angst und Wuth gesetztes Weib, welches den unreinen Geist vor sich zu sehen meint, ein Glaubensbekenntniß in der rohesten Form her: es schreit: „der christliche Glaube geht von historischen Thatsachen aus“ als ob damit die Sache abgemacht, als ob nicht vielmehr zu erklären wäre, ob dieser sein Ausgangspunkt, der Punkt, von dem er auszugehen meint, troß der hochbetheuernden Versicherung der Berliner oder aller Facultäten, nicht bloß eine Vorstellung ist - es schreit: „nach meiner Arbeit bleibe es nur der Willkühr überlassen, was von dem historischen Christus noch gehalten und wozu er gemacht werden soll“ als ob die Kritik nicht den Beweis liefere, daß dieser historische Christus .... doch wozu das Alles noch einmal sagen! es jammert: „ich könnte mit meiner Kritik und deren Resultaten nicht die Schwachen trösten“ - und die Kritik ist es eben, die der Feigheit, Muthlosigkeit, Schwäche und Erbärmlichkeit ein Ende machen wird.
904
In der beschränkten Wuth des Berliner Votums hat der wahre Geist, nämlich der Thiergeist der Theologie sein Urtheil abgegeben.
905
Die Facultäten beantworten nun die zweite Frage, die das Ministerium ihnen gestellt hat, die Frage, ob in der theologischen Facultät und an der Universität überhaupt meines Bleibens noch seyn könne.
906
Das zweite Greifswalder Gutachten hat die Antwort fast vollständig gegeben - seine Verfasser haben nämlich richtig gesehen, daß es auch die Frage ist, ob ich überhaupt an einer preußischen Universität bleiben könne - und es hat die Sache so rein gefaßt, wie es auf dem theologischen Standpunkte möglich ist. Ich muß nach seinem Urtheilsspruch aus der theologischen Facultät entfernt werden, da ich nach meinem Princip das Christenthum nicht anders als auflösen kann, und „ob mir in einer andern als der theologischen Facultät die Erlaubniß zu lesen zu verstatten sey, das würde ( - unter Anderm - ) von der Frage abhängen, wie das neue Princip des freien Selbstbewußtseyns zur Entwickelung des Staatslebens überhaupt sich verhalte“ - einer Frage, die von dem Gutachten nicht beantwortet wird, deren Beantwortung aber, wie man aus meiner obigen Abhandlung sehen wird, ich durchaus nicht scheue.
907
Wenn aber die Verfasser dieses zweiten Votums auf meine Entfernung aus dem Verbande mit der theologischen Facultät antragen, so haben sie die Frage nur in dem Sinne des Ministeriums, des christlichen Staats und der christlichen Theologie, aber nicht als die Frage beantwortet, wie sie von der Geschichte und von der Menschheit gestellt wird. Wenn sie endlich sagen, die Aufgabe der theologischen Facultät sey eine „wissenschaftliche und religiöse“, so haben sie damit zwar die Collision bezeichnet, deren Lösung die Welt jezt endlich verlangt, aber wahrlich nicht gelöst, wenn sie auf meine Entfernung aus dem Verbande mit der Facultät antragen.
908
Ich habe aber die Collision richtig gestellt und gelöst und aus meiner Darstellung mögen sich die Verfasser dieses zweiten Greifswalder Gutachtens, so wie die Glieder der Bonner Facultät eines Bessern belehren; die Letzteren wollen meiner nämlich auch los seyn, obwohl sie die freie Forschung der theologischen Facultät, wie wir schon früher erfahren haben, auch gewährt wissen wollen.
909
Die Breslauer Facultät erklärt, ich müsse vom Katheder entfernt werden, da die Regierung „Niemand durch öffentliche Anstellung zur Widerlegung des christlichen Glaubens autorisiren könne.“ Diese Facultät straft also die Verworrenheit ihres Gutachtens selbst, wenn sie das eine Mal meine Beweise willkührliche Voraussetzungen nennt und nachher so spricht (und sie hat Recht, wenn sie so spricht) als ob mich als Lehrer auf dem Katheder lassen so viel heiße, als mich zur Widerlegung des Christenthums autorisiren. Die Forschung frei geben heißt die Auflösung des Christenthums frei geben, denn die Erkenntniß der religiösen Prätensionen des Christenthums ist seine Auflösung, die Auflösung aller Religion.
910
Wie der wahre Theologe, d. h. der Fanatiker, der wenn er noch Macht hätte den Scheiterhaufen sogleich anzünden würde, mit thierischer Begierde im ersten Theile des Berliner Gutachtens gebrüllt hatte: ich kenne meine Bedürfnisse, ich will das Reale, das Biblisch-Massive, ich will eine Thatsache, ich will abhängig seyn, so heult er im zweiten Theil desselben Gutachtens: ich will Freiheit, ich will Freiheiten, ich will alle Freiheit, aber nur für mich, nur für meine Bedürfnisse und deren Befriedigung, aber nicht die Freiheit, die allgemeine und wirkliche Freiheit ist, nicht die Freiheit, die einem Forscher wie Bauer Recht seyn sollte; d. h. ich will die Unfreiheit, Bauer muß so schnell wie möglich vom Katheder herunter! Herunter mit ihm! Der Thiergeist, der in diesem Gutachten die Sprache gewonnen hat, rast und heult. Der theologische, der Glaubens-Eifer hat endlich einmal wieder seinen wahren Ausdruck gefunden.
911
Ich würde sagen, man müsse das Berliner Gutachten auf den Leichenstein schreiben, den die Zeit der Theologie bald aufrichten wird, wenn es nicht selbst dieser
912
Es bleiben noch die Gutachten übrig, die sich gegen meine Entfernung vom Katheder ausgesprochen haben.
913
Vor allem ist das Separat-Votum zu erwähnen, in welchem sich Herr Middeldorpf gegen das Gutachten seiner Collegen in Breslau ausspricht. Er ist unbedingt dafür, daß ich in meiner akademischen Wirksamkeit belassen werde, er spricht sich durchweg würdig und männlich aus und täuscht sich nur darin, daß er meint, „wenn man der Wissenschaft die Wissenschaft zum Kampfe gegenüberstellt, sey der Sieg des Christenthums immer im voraus entschieden.“
914
Mit besonderem Wohlwollen hat sich das erste Greifswalder Gutachten meiner angenommen; es „besorgt keine Gefahr, wenn mir auch die Theologie zu lehren gestattet bleibe“, aber leider! kann ich seine Hilfe auch nicht annehmen, da es sich täuscht, wenn es meint, die Kritik bringe dem Christenthum als einer religiösen Satzung keine Gefahr. Noch weniger darf ich den Succurs annehmen, der mir von Königsberg aus zugeschickt wird. Ich sollte es im Bewußtseyn meines absoluten, meines geschichtlichen Rechts annehmen, daß ich mit meiner Kritik als eine „allerdings extravagante Einseitigkeit in dem Gesammtkörper der betreffenden Facultät geduldet werde“?
915
Von den Facultäten kann ich Nichts annehmen, weil sie, was sie mir geben wollten, nur als Gnade, ja nur als gnädige Nachsicht gegen meine „willkührlichen, extravaganten, extremen Voraussetzungen, Irrthümer und Verirrungen“ schenken würden und auch nur schenken könnten.
916
Man hat es (nach den öffentlichen Blättern) herausklügeln wollen, daß die Mehrzahl der Gutachten zu meinen Gunsten laute. Allein gerade diejenigen Gutachten, die sich für mich aussprechen, muß ich, wenn ich, wie es nicht anders seyn kann, meiner Pflicht folgen und im Interesse meiner Arbeit und Aufgabe handeln will, mit Protest zurückweisen.
917
Mit Verachtung aber das Hallische Gutachten. Daß es im Kreise dieser Gutachten den Standpunkt der Gemeinheit einnimmt, habe ich gezeigt und leider bleibt mir noch die widerliche Aufgabe, zu zeigen, wie es sich zum Schluß mit großer Geschäftigkeit auf diesem Standpunkte ergeht.
918
Obwohl es erklärt, daß es bis jest „noch kein vollkommen sicheres Urtheil über den Grad meiner Heterodorie“ für möglich hält, so hält es dasselbe Gutachten doch für möglich, zu erklären, „daß ich in einem principiellen Widerspruch zur Kirche stehe und daß deshalb meine akademische Wirksamkeit an einer theologischen Facultät nicht förderlich, sondern nur nachtheilig seyn könne.“ Dennoch ist es eben derselben Facultät, die mich wegen meines principiellen Widerspruchs gegen die Kirche vom Katheder verwiesen wissen will, wiederum möglich, zu erklären, daß sie Bedenken trage, ob es rathsam sey, gegen mich einzuschreiten.
919
Und was sind das für Bedenken, die ihr auf einmal die Gefahr, mit der ich die Kirche bedrohe, in Vergessenheit bringen? Abgesezt, meint die hochwürdige Facultät, würde ich durch keine amtliche Verpflichtung und keine bürgerliche Rücksicht zurückgehalten, „wenn ich etwa Lust bekommen sollte, das Christenthum anzugreifen.“ Als ob ich nicht in die Posaune gestoßen und meine Schriften geschrieben hätte, während ich allerdings amtliche Verpflichtungen hatte! — als ob ich nicht meine Schriften allesammt geschrieben und ihren Inhalt auch auf dem Katheder entwickelt hätte, weil ich nur so, wie ich schrieb und lehrte, allen meinen Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen die Ueberzeugung hatte!
920
Aber die Herren meinen, ein Aemtchen und ein Käppchen und jährliche Gehaltserhöhung und Gehaltszulage seyen die wahren Mittel zur Aufrechterhaltung des Christenthums.
921
— Ferner meinen sie, wenn ich bestraft „würde“ — man höre! „bestraft“! „bestraft!“ — wo ist der Richter, der mich „bestrafen“ kann? Die Geschichte wird urtheilen, wer mich „bestrafen“ kann, sie wird das Wort nicht vergessen und zur rechten Zeit „bestrafen“ — wenn ich also „bestraft“ würde, so würden meine Schriften „mehr gelesen“ als bisher.
922
Verdienen sie denn aber nicht gelesen zu werden? Müssen sie nicht gelesen werden? Müssen nicht eure Schriften einer baldigen und ewig währenden Vergessenheit anheimfallen? Die Zeit ist nicht mehr fern, wo man von euern Namen und Schriften Nichts mehr wissen würde, wenn man von ihnen aus meinen Schriften Nichts erführe. Das ist also der Dank, den ihr mir in voraus abstattet? Doch ich erwarte von euch Nichts und will von euch Nichts und was ihr mir geben wollt, weise ich mit Abscheu zurück.
923
Auf der Einen Seite des Leichensteins, der das Grab der Theologie bezeichnet, wird das (ohnehin sehr kurze) Berliner Gutachten stehen; auf die andere wird man einen Auszug aus demjenigen der Haller Facultät eingraben.
924
Ein würdiger Grabstein!
925
Mögen unter ihn nur erst auch alle andern Lasten abgeworfen seyn, von denen die Menschheit bisher zu Boden gedrückt wurde.