128
Die Facultäten meinen die Sache entschieden zu haben, wenn sie die Kritik, sobald dieselbe von ihrer Auffassung des Wesens des Christenthums abweicht, von sich entfernen. Die Regierung gibt ihnen Recht und führt aus, was die Mehrzahl der Stimmen beschlossen hat.
129
Marheineke dagegen, für den eigentlich gar keine Collision vorhanden ist, erklärt sich für die Lehrfreiheit — und sollte er auch hinter dem Ministerium zurückstehen wollen, welches aufs neue dieselbe proclamirt hat? Aber wie vertheidigt er die Freiheit? „Die Erkenntniß,“ sagt er, „muß die Jugend selbst auch durch das Meer der Irrthümer führen“ — er nimmt also für die Kritik, die ihm als Irrthum, höchstens als Irrthum gilt, der wie aller Irrthum ein Bruchtheilchen der Wahrheit enthält (p. 83), die Freiheit in Anspruch, die er dem Irrthum überhaupt ertheilt wissen will. Allein, wenn der Kritiker den Irrthum vorträgt, ist es dann die „Erkenntniß“, welche die Jugend durch das Meer der Irrthümer führt? Wenn die Erkenntniß dieß Geschäft übernimmt, so ist es gefahrlos, da sie als Erkenntniß auch den Irrthum als solchen erkennen, als solchen der Jugend darstellen und vermittelst dieser Darstellung unschädlich machen wird. Aber der Kritiker? Ist dieser nicht so verstockt, daß er sich von der Ueberzeugung, seine Lehre sey Wahrheit, nicht trennen kann? Wo bleibt nun die Möglichkeit, daß die Jugend vor dem Irrthum nicht etwa nur gewarnt, sondern vollkommen sicher gestellt werde, zumal wenn die Theologen so, wie sie es bisher gethan haben, fortfahren zu beweisen, daß sie die Kritik und ihre Resultate nicht einmal richtig aufzufassen im Stande sind? Müssen sie nicht fürchten, daß die Jugend im „Meere der Irrthümer“ umkomme?
130
„Der wäre gewiß ein schlechter Theologe, fährt Marheineke fort, „der es nur mit baaren, blanken Wahrheiten zu thun haben wollte.“ Im Gegentheil! er wäre ein schlechter Theologe, wenn er im Besitze der heiligen Schrift, des Geschenks der göttlichen Offenbarung, im Besitz der Kirchenlehre, wenn er geleitet von seinem kirchlichen Sinn und von den trostreichen Erscheinungen des kirchlichen Lebens umgeben, nicht der Ueberzeugung seyn sollte, daß er es mit lauter blanken Wahrheiten zu thun habe. Dem Theologen fallen die Wahrheiten in den Schooß und er hat sie nur höchstens zu zählen oder in Paragraphen unterzubringen. Mit dem Irrthum darf er keine Gemeinschaft haben, nicht unter demselben Dache wohnen: hat Christus etwa auch mit Belial Gemeinschaft?
131
Marheineke stüßt sich auf den speculativen „Satz, daß die „positive Wahrheit selbst“ es ist, die ihre Negation sezt und erfindet, wenn sie noch nicht erfunden ist.“ Allein wiederum: dann ist es die „positive Wahrheit selbst“, die stolz auf diesem selbstgeschaffenen Meer der Irrthümer dahinfährt, die Schiffsmannschaft sicher durch alle Klippen bringt und selbst in den gefährlichsten Augenblicken den Wind immer richtig hält, das Schiff immer oben erhält und schon durch den Wimpel des Schiffs zu erkennen gibt, daß sie reine, unverfälschte und wohlassocurirte Waare mit sich führt. Diese Wissenschaft steht immer über dem Irrthume.
132
Mit dem Kritiker ist es aber ganz anders: den vermeintlichen Irrthum erklärt er nicht für eine Negation der Wahrheit, sondern für die Negation des Irrthums, für die Wahrheit selbst: jetzt zumal, da er die Sache für entschieden hält, würde er sich gewaltig dagegen wehren, wenn man seinen „Irrthum“ zur Verherrlichung der Wahrheit „negiren“ wollte.
133
Eben so wenig würde er das Zugeständniß annehmen, daß es zur historischen Bildung der Jugend nöthig sey, sie in die Irrthümer der Zeit einzuweihen (p. 84). Zum Gegenstand der bloßen Curiosität oder zum Popanz, welcher die Jugend schrecken und vor Gedanken, die vielleicht noch „ärger“ sind, etwa abschrecken soll, wird er die Wahrheit, die er aufgefunden und durch Beweise sicher gestellt hat, nicht herabgesetzt sehen wollen. Er selbst ist nicht im Stande, die Wahrheit der Jugend als einen historischen Beweis darzustellen, zu welchem abentheuerlichen, närrischen oder argen Gedanken der menschliche Verstand gelangen könne; er wird sie vielmehr, da er mit einer tausendjährigen Verdumpfung im Kampfe steht, mit einer Festigkeit, Zuversicht zu ihr selbst und mit einer Indignation gegen das haltlose und sich selbst widersprechende Wesen der Theologie vortragen, wie sie dem theologischen Katheder meistens fremd geblieben ist. Kann er nun nach den eigenen Voraussetzungen Marheineke's auf dem Katheder gelassen werden?
134
Wenn die stolze „speculative Wahrheit“ ihre Negation setzt, so thut sie es nur aus Gnade, um dem „Irrthum“ ein ephemeres Daseyn zu schenken, aber noch mehr in der Ueberzeugung, daß ihre Allmacht und Herrlichkeit offenbar werde, wenn sie dem Irrthum Gerechtigkeit widerfahren läßt und ihn mit einer glänzenden Wendung aufhebt.
135
Die „speculative Wahrheit, die ihre Negation setzt“, ist der Taschenspieler, der sich zum Schrecken nervenschwacher Zuschauer ersticht, erschießt, sich den Kopf abschlagen, ein Bein ausreißen läßt und im Nu! wieder als ein ganzer Kerl, frisch und gesund vor dem erschrockenen Publicum dasteht.
136
Wenn die Sache dagegen ernster wird und die „speculative Wahrheit“ den Irrthum nicht erst zu setzen braucht, sondern ihn in einem gegebenen Princip vorfindet, so wird es ihr nicht so leicht werden, ihn aufzuheben. Ihr Stolz wird sich Blößen geben, ihre Gnade wird ihr Nichts helfen, ihre Schonung wird nicht lange dauern. Ihr Verhältniß zum Irrthum wird ein rein theologisches werden.
137
Was die Wahrheit hervorbringt, kann nur Wahrheit seyn und wenn das Product nicht als Wahrheit wirklich erscheint, so beruht das eben nur in einem Scheine, der durch die weitergehende Entwicklung aufgehoben wird. Die wirkliche Erkenntniß hat nicht die Aufgabe, aus dem Irrthum, das Bruchtheilchen von Wahrheit, das er noch in sich hat, „herauszuschälen“, sondern den falschen Schein, der einer bestimmten Erscheinung der Wahrheit noch eigen ist, aufzulösen und die Wahrheit als Wahrheit zur Erscheinung zu bringen. Auf diesem Standpunkt der wirklichen Erkenntniß kann nicht mehr von Gnade, „Schonung“, Toleranz, „Verzeihung“, Erbarmen die Rede seyn, die Wahrheit will nicht begnadigt, geschont, tolerirt, sondern in ihrem Rechte anerkannt, geprüft und erkannt seyn.
138
Die Schonung, Toleranz und Verzeihung ist nur ein subjectives und gemüthliches Verhalten zu einer Sache, die objectiv gelten, durch sich selbst, durch ihren innern Werth bestehen und um ihrer selbst willen anerkannt seyn will.
139
Weil dieses subjective Verhalten zum „Irrthum“ innerlich und an ihm selbst ein Falsches ist, so kann es sich in seiner Gemüthlichkeit auch nicht vollständig durchführen. Ich bin zuletzt (p. 86) nur ein „irrender Bruder“, den man heben und aufrichten muß und aufrichten kann, ohne Gefahr zu laufen, daß irgend Jemand diese Schonung als „Billigung seiner Irrthümer“ ansehen wird; ein irrender Bruder, den man am besten in einer andern Facultät unterbringt, also über die Gränze schickt und deportirt, und dessen „Irrthümern“ doch nicht „die Natur der positiven Wahrheit“, „die ihre eigne Negation setzt“, auch nicht der Nuzen, den „die historische Bildung der Jugend“ aus ihrer Kenntniß ziehen kann, zu Gute kommt.
140
Heißt das aber den verlorenen Sohn wieder aufnehmen, wenn man ihn aus dem Hause schickt? Wird nicht dadurch die Rührung des Publicums gewaltig gestört, wenn Alle schon bereit sind vor Entzücken in die Hände zu klatschen und der Vater, indem er den Sohn umarmt und ehe noch der Vorhang fällt, den Befehl giebt, man soll den Sohn aus dem Hause werfen?
141
Die Sache, um die es sich handelt, eignet sich aber nicht einmal dazu, für ein Rührstück bearbeitet zu werden. Die Kritik will keine Schonung, kein Erbarmen, keine Verzeihung, so wenig als sie geneigt ist, ihren Gegner zu schonen. Wie sie als Kritik demselben auf den Leib rückt, ihm scharf ins Auge steht, so will sie auch ernsthaft – denn die Sache ist sehr ernst – behandelt seyn. Sie gibt nicht zu, daß sie irre, wenn man es ihr nicht beweist, d. h. wenn man nicht selbst die Kritik gegen sie richtet. Sie will sogar die Sache so weit endlich entschieden haben, daß sie im Princip, in der Methode und in den bestimmten Resultaten die Wahrheit getroffen zu haben meint.
142
Ein Trauerspiel ist es, was die Geschichte jezt aufführt. Wer wird fallen? Wer nicht erkennen will! Wenn es aber dem Trauerspiel eigen ist, daß es das Mitleid für den Untergegangenen erweckt, so können wir es als gewiß voraussagen, daß dieses Mitleid nicht den Gegnern der Freiheit und des Selbstbewußtseyns, sondern nur der Menschheit überhaupt, die Jahrtausende hindurch unter dem Druck ihrer Selbsttäuschung gelitten hat, zu Theil werden wird.
143
Wenn Marheineke meinte, die Jugend auf den Universitäten könne einen tüchtigen Puff vertragen, und es sogar für gut befand, wenn sie einige Püffe bekäme, damit sie sich in Zukunft, wenn sie älter geworden ist, vor Gefahren in Acht zu nehmen wisse, so ist im Gegentheil Herr Gruppe der Ansicht, die Constitution der studirenden Jugend sey noch viel zu zärtlich, als daß man sie einer so rohen Behandlung aussetzen dürfe.
144
„Gering ist das Urtheil dieser Jugend, aber groß die Empfänglichkeit (p. 8): darum kann es nicht gleichgültig seyn, was man ihr bietet, und unverantwortlich würde der Staat handeln, wenn er sie Irrthümern und Gefahren aussetzen wollte, von denen sie vielleicht erst spät zurückkommt.“ Diejenigen, die dereinst den Kern der Nation bilden sollen“ – man sollte meinen: müßten recht abgehärtet werden; nein! – „dürfen nicht in der entscheidenden Entwickelungsperiode“ – man sollte meinen: in der Freiheit der Entwicklung beschränkt werden; nein! – dürfen nicht ganz ihrem Schicksal, sich selbst und ihrer jugendlichen Hilflosigkeit überlassen werden. (p. 9.)
145
Das ist das Räsonnement des bösen Gewissens. Wie? Ich sollte überzeugt seyn, daß die Principien, Demonstrationen und Resultate der Kritik Irrthum seyen, und nur der „hilflosen“ Jugend wegen verlangen, daß die Kritik oder wenigstens diese bestimmte Kritik von den Universitäten vertrieben werde? Wenn der hilflosen Jugend wegen der Irrthum von den Universitäten vertrieben werden kann, so muß doch zuvor – nicht wahr? – bereits feststehen, daß diese Vertreibung überhaupt ein Recht ist? Nun, warum sagt Herr Gruppe nicht kurzweg, ich sey mit Recht entfernt, weil ich Irrthümer vortrug und weil die Regierung ein Recht hat, Irrlehrer von Universitäten zu vertreiben?
146
Warum sagt er es also nicht? Aus dem einfachen Grunde, weil er nicht so weit denkt, nicht so weit denken kann und nicht einmal so weit denken darf, wie Alle, die gegen die Kritik zum Ritter werden wollen, weil er wie alle diese Helden, wenn er weiter gehen wollte, an dem Punkte ankommen würde, wo er fragen muß, wer denn entscheiden soll, ob eine Lehre, ein System Nichts als Irrthum ist. Wer anders als die Wissenschaft versteht sich auf die Wissenschaft? Wer anders hat über die Kritik zu entscheiden als die Kritik? Wer hat Strauß widerlegt? Die Tübinger Facultät? Das Zürcher Stadt- und Landvolk? Die Theologen? Ein Tholuck, ein Neander, ein Lange? Nein! die Kritik!
147
Nicht die Facultäten als Corporationen, nicht die Policey, nicht die Regierung, auch der Himmel nicht können ein System – selbst wenn sie alle in dem guten Willen dazu übereinstimmten – widerlegen, sie können überhaupt nicht einschreiten, ehe es als Irrthum bewiesen ist, aber dieser Beweis liefert immer nur wieder ein System und wenn er geliefert ist, so bedarf es nicht erst noch einer administrativen Maaßregel, um das besiegte System zu besiegen. Facultäten und Regierung können und dürfen es nicht einmal von den Universitäten äußerlich wegweisen, denn auf dem Boden der Wissenschaft stehen beide Systeme, das höhere und das niedere sich immer noch berechtigt, wenn auch nur mehr oder weniger berechtigt als der mehr oder weniger vollendete Ausdruck der Wissenschaft sich gegenüber, bis die Geschichte ihr Endurtheil spricht.
148
Die sentimentale Appellation an die „Hilflosigkeit“ der lieben Jugend hilft also Herrn Gruppe Nichts zu dem Beweise, daß ich von der Universität entfernt werden müßte. Erst hätte er beweisen müssen, daß der Irrthum policeilich von den Universitäten verwiesen werden müsse und dann hätte er noch den Beweis liefern müssen, daß die neuere Kritik ein Irrthum sey.
149
So aber begnügt er sich mit der Vorausseßung, daß meine Lehre Irrthum und die Regierung berechtigt sey, wissenschaftliche Fragen auf administrativem Wege zu entscheiden. Die Administration darf nicht einmal, wenn die Justiz eine Wahrheit seyn soll, in die juristische Untersuchung eingreifen und vor der Justiz muß dem Angeklagten die Möglichkeit, sich zu vertheidigen, gesichert seyn: und in wissenschaftliche Collisionen, in die Frage über die wahre und falsche Theologie, in die Frage über das Wesen der Theologie soll der Arm der Administration entscheidend eingreifen und der Frage damit ein Ende machen, daß er willkührlich die Eine Parthei ergreift und vom Schauplage des Streits hinwegschleudert?
150
Die für diese Leute allerdings nur dunkle Gewalt der Sache selbst, die Allgewalt der Collision und eine unwillkührliche Regung des Gewissens zwingt sie, ihr eigenes Räsonnement wieder Lügen zu strafen. Sie nehmen ihr Räsonnement nicht zurück: sie machen es nur durch eine halbe Anerkennung der verdammten Sache widersprechend. Indem die Facultät zu Bonn die Freiheit der Forschung verurtheilte, erklärt sie die Freiheit der Forschung für nothwendig, ja will sie dieselbe - als Privilegium! - sich gewahrt wissen. Herr Gruppe will nicht (p. 10), daß die sich widerstrebenden Ansichten „in der theologischen Facultät repräsentirt seyen.“ Damit ist aber nicht gesagt, fährt er p. 11 fort, daß die theologischen Facultäten in Einförmigkeit und Einseitigkeit oder gar in Unlebendigkeit verfallen sollen. „Geht die theologische Literatur ungestört (!) ihren Gang fort, so wird, was sie als Resultat zu Tage fördert, immer auf die Universitäten seinen Einfluß üben, es komme nun, woher es wolle.“ So? durch eine theologische Hinterthüre will man dasjenige, was die Facultät vor aller Welt Augen vertrieben hat, wieder einschlüpfen lassen? Herrliche Moral! Treffliche Casuistik! Die Welt, die den Scandal gesehen hat, soll sich einbilden, nun sey der böse Geist vertrieben und hinten öffnet man dem Vertriebenen eine versteckte Thüre!
151
Bedenkt Herr Gruppe, bedenken diejenigen, in deren Interesse er auftritt, nicht, was geschrieben steht? Es heißt: „wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandelt er dürre Stätte, suchet Ruhe und findet sie nicht. Da spricht er dann: ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er es müßig, gekehret und geschmücket. So geht er hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, die ärger sind, denn er selbst und wenn sie hinein kommen, wohnen sie allda; und wird mit demselben Menschen ärger, denn es vorhin war. Also wird es auch diesem argen Geschlecht ergehen.“
152
Noch fürchterlicher wird es diesem argen Geschlecht ergehen, welches nicht warten will, bis der böse Geist wiederkommt, sondern ihn selbst herbeiruft und heimlich durch eine Hinterthüre einschlüpfen läßt.
153
Und wie bequem will man es sich bei diesem verbotenen Genuß machen! Wie epikuräisch will man genießen! „Die Resultate“ sollen es seyn, die die theologische Facultät sich aneignet. Sie will die Resultate nicht selbst erarbeiten, die Frucht nicht selbst zeitigen, den Boden nicht selbst durchackern: sie will nur die verbotene Frucht genießen. Allerdings, wenn sie nicht der Sitz der Wissenschaft seyn will, so kann sie sich die Resultate nicht selbst gewinnen: aber dann mag sie auch zusehen, wie sie dieselben verstehen wird und wie sie ihr bekommen werden.
154
Sogar eine Staatsverwaltung, die wohl berathen ist, meint Herr Gruppe p. 11, wird hier zu seiner Zeit nachhelfen. Wie aber, wenn es jetzt Zeit ist, die letzte Zeit ist, oder vielmehr der Augenblick, wo es Zeit war, bereits vorüber ist?
155
Und darf denn die Regierung nach den eigenen Voraussetzungen des Herrn Gruppe in jener Weise nachhelfen, daß sie den bösen Geist, den sie aus den Facultäten vertrieben hat, zur Nachhilfe wieder in dieselben zurückbrächte? Darf sie es? Darf sie das vollendete Werk des Bösen, das vollendete Resultat seiner Arbeit den Facultäten wieder zuschicken? Das Gift mit Vorbedacht den hilflosen, unschuldigen Kindlein einflößen?
156
Und darf denn die Regierung nach den eigenen Voraussetzungen des Herrn Gruppe in jener Weise nachhelfen, daß sie den bösen Geist, den sie aus den Facultäten vertrieben hat, zur Nachhilfe wieder in dieselben zurückbrächte? Darf sie es? Darf sie das vollendete Werk des Bösen, das vollendete Resultat seiner Arbeit den Facultäten wieder zuschicken? Das Gift mit Vorbedacht den hilflosen, unschuldigen Kindlein einflößen?
157
Noch eine andere Art die Collision zu lösen sieht Herr Gruppe, der Alles so wohl und gründlich und wahrhaft weise zu erwägen versteht, (ebend.) in dem Auswege, daß in der theologischen Literatur eine unbeschränkte Discussion aller Fragen statt finden könne: „hier sey auch für mich die Möglichkeit einer guten Wirksamkeit noch vorhanden.“
158
Unbegreiflich, daß ein Kritiker, dessen Wirksamkeit durch die herrlichsten Lehrer der theologischen Facultät, die ihm so nahe stehen und Tag für Tag sogleich das Gegengift gegen seine Lehre den jugendlichen Patienten beibringen können, nicht paralysirt werden kann, auf einem Gebiete zu wirken noch die Erlaubniß haben soll, wo die Widerlegungen so lange auf sich warten lassen und die wichtigsten Erscheinungen gewöhnlich nie von den Fachmännern beachtet werden!
159
Und hier in der Literatur spricht der freie Forscher nicht nur zu Jünglingen, deren jugendliche Constitution noch manchen Giftstoff zu überwinden die Kraft hat, sondern zum ganzen Volk — meint Herr Gruppe nicht, daß hier noch mehr Gefahr zu befürchten ist? Ist Jeder im Volke im Stande, sich ein „Panzerhemde“ anzuschaffen, wie neulich ein Berliner seinen Mitbürgern anrieth? Ist die Kleidung manchen braven Mannes, der sich kein Panzerhemde anschaffen kann, nicht schon so abgetragen und verschlissen, so fadenscheinig, daß jeder Sonnenstrahl hineindringt? Und sind es nicht immer noch die hilflosen „Jünglinge“, denen gottlose Bücher in die Hände gerathen können? Kann ferner aus einer bösen Wurzel ein guter Baum hervorgehen?
160
Die Regierung, welche das Recht hat, die offne und männliche Sprache des Forschers auf der Universität verstummen zu machen, wird sich auch darauf verstehen, sie auf dem Gebiete der Literatur zu ersticken und so muß sie nach den eigenen Voraussetzungen des Herrn Gruppe auch hier ersticken.
161
Auf einem Standpunkt, wo man so wenig weiß, was man spricht, kann es auch seyn, daß die gedankenreichen Herren einmal ein Paar Floskeln vorbringen, die sie so oft gehört haben, daß sie dieselben endlich zur rechten Stunde d. h. sehr zur Unzeit vorbringen können. So sagt Herr Gruppe auch einmal, „die verschiedenen Richtungen, die unsere Zeit charakterisiren, gingen zur Zeit unaufgelöst neben- und durcheinander“ (p. 35). Nun? ist die Lösung damit gegeben, daß die eine Richtung Knall und Fall von der Universität verwiesen wird? Und wenn die Richtungen „noch unaufgelöst durcheinander gehen,“ wer kann die Verwirrung auflösen? Wer anders als die Wissenschaft? Wer kann überhaupt den verwirrten Knäuel ordentlich abwickeln und die Faden sondern? Die Administration? Die Facultäten, die selbst in die Verwirrung hineingezogen sind? Nein! Immer nur die Wissenschaft, die schon manchen andern Knäuel abgewickelt hat und jetzt gerade ihr Meisterstück verrichten wird.
162
So sagt Herr Gruppe auch einmal, „die verschiedenen Richtungen, die unsere Zeit charakterisiren, gingen zur Zeit unaufgelöst neben- und durcheinander“ (p. 35). Nun? ist die Lösung damit gegeben, daß die eine Richtung Knall und Fall von der Universität verwiesen wird? Und wenn die Richtungen „noch unaufgelöst durcheinander gehen,“ wer kann die Verwirrung auflösen? Wer anders als die Wissenschaft? Wer kann überhaupt den verwirrten Knäuel ordentlich abwickeln und die Faden sondern? Die Administration? Die Facultäten, die selbst in die Verwirrung hineingezogen sind? Nein! Immer nur die Wissenschaft, die schon manchen andern Knäuel abgewickelt hat und jetzt gerade ihr Meisterstück verrichten wird.
163
Oder, wenn Herr Gruppe sagt, (ebend.) „daß das evangelische Bekenntniß sich in einer Krisis befinde“, ist die Krisis gehoben, wenn ein Kritiker von der Facultät verstoßen wird? Ist das evangelische Bekenntniß in einer Krisis befindlich, so wird dieselbe auch der theologischen Facultät nicht fremd geblieben seyn und das heißt wahrlich nicht eine Krisis aufheben, wenn man dem Patienten den Kopf abschlägt! Oder glaubt Herr Gruppe noch, daß die Regierung den Krankheitsstoff dem Patienten erst noch heimlich einzuflößen, die Contagion durch eine theologische Hinterthüre einzulassen brauche, wenn die Krisis das Ganze schon in Besitz genommen hat?
164
Oder, wenn Herr Gruppe sagt, (ebend.) „daß das evangelische Bekenntniß sich in einer Krisis befinde“, ist die Krisis gehoben, wenn ein Kritiker von der Facultät verstoßen wird? Ist das evangelische Bekenntniß in einer Krisis befindlich, so wird dieselbe auch der theologischen Facultät nicht fremd geblieben seyn und das heißt wahrlich nicht eine Krisis aufheben, wenn man dem Patienten den Kopf abschlägt! Oder glaubt Herr Gruppe noch, daß die Regierung den Krankheitsstoff dem Patienten erst noch heimlich einzuflößen, die Contagion durch eine theologische Hinterthüre einzulassen brauche, wenn die Krisis das Ganze schon in Besitz genommen hat?
165
So wissen diese Leute eine Collision, von der sie Nichts verstehen, zu lösen. Sie sind treffliche Aerzte einer Zeit, die sich „in einer Krisis befindet“! Sie sind unbezahlbar! Glücklich die Parthei, die sie zu den Ihrigen zählen kann.
166
Daß wir eine Erscheinung wie das Gruppe'sche Buch besprechen, verdankt dasselbe rein und allein dem Umstande, den wir herzlich gern anerkennen, daß die Unklarheit, die Haltungslosigkeit, die Widersprüche, die ein Hauch umwirft, die Unkenntniß in Bezug auf den Kern der Sache, dieß Floskelwesen nicht etwa nur Zierden sind, welche Bücher von dieser Art ihren Verfassern allein verdankten, sondern vielmehr als Privilegien allen Bemühungen angehören, die der Wahrheit, der Offenheit und dem Fortschritt entgegengesetzt werden. Nur die gute und gerechte Sache spricht sich offen aus und bringt es zu einem gediegenen Resultat; die falsche Stellung dagegen, die sich die Widersacher der Wahrheit und Freiheit geben, spricht sich auch in den schiefen der Collision. Wendungen ihres Räsonnements aus, und muß nothwendig zu Resultaten führen, an denen Nichts zu bewundern ist, als die Naivität, mit der sich ihre widersprechenden Seiten vor aller Welt Augen mit einander zanken und verspotten.
167
Derselbe Umstand, daß seine gränzenlose Unklarheit, sein zerhacktes Wesen, die Widersprüche seiner totalen Muthlosigkeit nicht allein ihm, sondern dem Standpunkte angehören, den wir in ihm wieder erkennen, kommt auch dem „theologischen Votum über die Anstellung der Theologen an den deutschen Universitäten“ (Verlag des Berliner Lesekabinets) zu Gute. Der Verfasser dieser Schrift gehört jenem Standpunkte des Wissens an, welches mit dem Glauben sich entzweit hat, ohne mit ihm und mit sich selbst ins Reine gekommen zu seyn, des Wissens, welches das Wesen des Glaubens noch nicht wirklich erfaßt hat, welches in seiner Sprache seine Unmündigkeit verräth und noch nicht die Kraft hat, einen einzigen Gedanken klar zu fassen, zwei Gedanken in Zusammenhang zu sehen und zwei zusammenhängende Säße vorzutragen. Genug aber: der Verfasser hat uns in seinem Votum gezeigt, wie man in dem Zwielichte, wo Glauben und Wissen noch ihre Gränzstreitigkeiten führen, die gegenwärtige Lebensfrage betrachtet.
168
Alle die schlotterigen Widersprüche dieser Schrift — z. B. den Widerspruch, der sogleich im Anfange uns entgegenwandelt, daß der Verfasser (p. 4) meint, die Zeit sey gekommen, wo sogar schon die geistlos gewordene „Hülle“ des kirchlichen Lebens „ihrer Auflösung entgegengeht“, und sogleich darauf (p. 5) „das Wiedererwachen eines tieferen religiösen Sinnes“ ein Zeichen unserer Zeit nennt, ohne daran zu denken, beide Säße zusammenzubringen, ohne an die Frage zu denken, ob nicht immer in kritischen Zeiten das Alte, das seinem Untergange entgegengeht, noch einmal alle Kräfte zusammenrafft, um wo möglich seinem Schicksal zu entgehen — alle diese Widersprüche werden wir dem Leser nicht vorführen: wir fangen sogleich da an, wo der Verfasser die Frage aufstellt, die nach seiner Ansicht die entscheidende ist.
169
„Das ist die Frage (sagt er p. 5): darf die eingetretene religiöse Reaction sich auf Kosten der Wissenschaft geltend machen?“ Die Auflösung der Collision. Ei, warum nicht? würden wir antworten, wenn die Frage so einfach wäre. Warum nicht? Alles macht sich so weit geltend, als seine Kräfte reichen; hat es aber Kräfte genug, um sich auf Kosten eines Andern zu bereichern, und kann es nur auf Kosten dieses Andern leben: nun gut! dann ist die Sache entschieden und eure Frage: „darf es?“ ist wenigstens lächerlich.
170
Doch der Verfasser stellt sogleich darauf die Frage noch bestimmter: „wenn es der Stolz unserer Reformation ist, daß sie ungetrübt durch fremde Elemente ganz aus der Tiefe des Geistes entsprungen ist, darf sie dann diesem ihrem Princip untreu werden, indem sie zu Gunsten des kirchlichen Lebens die Wissenschaft beeinträchtigt?“
171
warum Ei, warum nicht? Ist sie ganz aus der Tiefe des Geistes entsprungen“ und war sie in ihrem Ursprunge, durch fremde Elemente nicht getrübt“: ei, warum denn nicht? warum soll sie – man höre! die Reformation! so sprechen diese Leute! – soll sie denn nicht das Recht haben, für ihre Reinheit zu sorgen? warum soll sie sich durch die Wissenschaft beeinträchtigen lassen? Habt ihr denn bewiesen, daß „die Reformation“ ihrem „Princip“ untreu wird, wenn sie die Wissenschaft beeinträchtigt? Habt ihr überhaupt ein Wort über ihr Princip gesprochen?
172
Ist mit der Tirade: „ganz aus der Tiefe des Geistes entsprungen“ das Princip der Reformation angegeben? O, lernt doch erst sprechen, denken und schreiben, ehe ihr es unternehmt, in schwierigen Lebensfragen Vota abzugeben!
173
„Ganz aus der Tiefe des Geistes!“ das ist für Schüler-Aufsäße zu schlecht, zu leer und Nichts sagend und ihr wollt damit den Streit der neuen und alten Zeit schließen?
174
– Der Katholicismus hatte dem statutarischen Kirchenglauben außer der heiligen Schrift noch eine andere Norm gegeben, welche an ihr selbst die Anerkennung des Menschlichen, der Freiheit und der Nothwendigkeit der geschichtlichen Entwicklung war – die Tradition. Wie diese Anerkennung der Freiheit und Entwicklung, weil sie eben eine religiöse und kirchliche war, sich selbst desavouiren mußte und im Gegentheil zur Unterdrückung der Freiheit und Entwicklung würde, geht uns hier Nichts an – genug, die Freiheit der Entwicklung, das geschichtliche Leben war doch anerkannt, war wenn auch in kirchlicher Weise als eine schöpferische Macht für die Fortbildung der Lehre anerkannt, d. h. die Religion war noch nicht als solche vollendet. Sie war noch nicht die reine Beschränktheit und Abhängigkeit. Der Protestantismus gab ihr diese Vollendung, indem er im Bekenntniß, daß der Glaube allein selig mache, den Menschen Einer einzigen Voraussetzung, einer Voraussetzung unterwarf, und durch die Erklärung, daß die Schrift die einzige Norm der Lehre und die Quelle der Wahrheit sey, mit der Geschichte brach, die Geschichte läugnete, die Möglichkeit und das Recht einer freien geschichtlichen Entwicklung aufhob und den Geist in den Kerker des Buchstabens einsperrte.
175
Nun ist die Frage richtig zu stellen: darf der Protestantismus zugeben, daß seine Voraussetzung von der Wissenschaft angegriffen werde? Darf er es dulden, daß die Knechtschaft unter jener Voraussetzung und die Abhängigkeit von dem Buchstaben von der Freiheit des Denkens und der Forschung bekämpft und aufgehoben werde? Wahrhaftig nicht! wenn er seinen Ruhm, die Vollendung des religiösen und kirchlichen Lebens zu seyn, nicht aufgeben will.
176
Damit ist aber die Frage nicht entschieden; am allerwenigsten ist die Entscheidung möglich, wenn man wie der Herr Verfasser dabei stehen bleibt, die eine Seite, das kirchliche Princip als absolut berechtigt vorauszusehen Oder es auf dasselbe ankommen zu lassen, ob es eine Beeinträchtigung seiner selbst zugeben will, oder wenn man sich mit banalen Redensarten begnügt, bei denen Nichts Bestimmtes zu denken ist.
177
Allerdings muß auch dem Princip, um dessen Auflösung es sich handelt, die Frage vorgelegt werden, ob es sich aufgeben will — diese Frage ist die letzte Ehre, die man dem Geistig-todten anthut, sie gehört zu den Formalitäten des Processes, — damit dem neuen Princip nicht vorgeworfen werden kann, es habe seinem Gegner nicht alle Vertheidigungsmittel zugestanden; aber sie dient nur dazu, daß das Alte das Maaß seiner Schuld vollmache, da es die Zeit nicht verstehen, den Sinn und die Bedeutung der Frage nicht fassen kann und das neue Princip doch nur allein den Beweis führen muß, daß das Alte sich nothwendig auflösen und begraben lassen müsse.
178
Einmal — man erlaube uns, dem Herrn Verfasser Schritt vor Schritt zu folgen, da wir es, wie gesagt, nicht mit ihm allein, sondern mit der Schwäche eines ganzen Standpunkts zu thun haben — einmal geräth er wirklich in eine Wendung, die ihn zum Richtigen hätte führen können, wenn er es verstanden hätte, sie auch nur Einen Augenblick festzuhalten. „Ob die Theologie sich auflösen müsse oder nicht,“ sagt er p. 7, „das kann nur durch sie selbst entschieden werden.“ Nun, dann wäre es seine Pflicht gewesen, ihr diese Frage ernstlich vorzulegen oder, wenn sie nicht antworten wollte, ihr zu zeigen, ob und wie sie durch die Entwicklung ihres eigenen Princips sich auflösen müsse; dann hätte er fragen und untersuchen müssen, ob der Protestantismus sich selbst auflösen müsse, dann hätte er vorher die Frage, „ob die religiöse Reaction“ — d. h. die vollendete, die im Gegensatz gewollte und bewußte Religiosität — „die Wissenschaft beeinträchtigen darf,“ nicht unbeantwortet in die Luft zu stellen brauchen, dann hätte er es nicht nöthig gehabt, nachher, weil er in der That bis dahin Nichts getroffen und entschieden hat, p. 10 die Frage, „ob die Kirche nicht ein Recht hat, eine Wissenschaft, durch welche sie in ihrer Existenz bedroht wird, von dem öffentlichen Lehrstuhl fern zu halten,“ als diejenige zu bezeichnen, womit er erst auf den rechten, nämlich auf den wunden Fleck, an welchem die Zeit leide, „gekommen sey“.
179
Ei, du frommer und getreuer Knecht, warum machtest du mit der Frage, ob die Theologie sich auflösen müsse, nicht Ernst? warum sagtest du kurz und schlecht, das kirchliche Interesse sey nur gegen eine Richtung berechtigt, die auch in formeller Hinsicht aufhörte, Theologie zu seyn“? warum sagtest du Etwas, wobei Niemand sich etwas Bestimmtes denken kann? Ist die Kritik, welche durch die reine Erklärung des Buchstabens die Theologie auflöst, in formeller Hinsicht nicht mehr Theologie? Thut sie etwas Anderes, als daß sie die theologischen Arbeiten zu Ende führt?
180
Die Frage war die, ob die Theologie, wenn sie ihr Wesen erreicht hat und vollendete Theologie geworden ist, noch ein Recht zu bestehen habe oder ob die Theologie die Entdeckung ihres Wesens und ihre eigene Vollendung überleben könne. Die Antwort haben wir in unserer bisherigen Entwicklung gegeben: wenn die Theologie ihre Vollendung erreicht hat, so ist sie absolut überflüssig geworden und diejenige Richtung, die sich der Vollendung gegenüber noch halten will, also ihr Wesen, ihre Consequenzen, ihren wahren Sinn, ihre eigenen Voraussetzungen verläugnet, sich mit Absicht gegen die Resultate der theologischen Entwicklung absperrt, ist nicht mehr werth, den Namen der Theologie zu führen. Sie darf nicht mehr forschen, denn die Forschung würde sie immer wieder ihrem Ende zuführen, sie ist daher ein neues Wesen, für welches, wenn es nur erst zu seiner Anerkennung gelangt ist, der rechte Name sich schon finden wird.
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Die Freude des Verfassers, p. 10 die richtige Fassung der Frage aufgefunden zu haben, dauert nicht lange: er läßt die Frage bald genug wieder fallen und zieht sich mit einer längst abgebrauchten Tirade sehr unglücklich aus der Sache. Ja, antwortet er anfangs sehr kühn: „die Kirche hat das Recht, von dem Staate ihre Diener zu fordern und wenn sie in diesem Rechte dadurch gefährdet oder beeinträchtigt wird, daß eine unkirchliche Richtung ihr ihre Diener entzieht, so darf sie auch dagegen auftreten.“
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„Aber, fährt er fort, sogleich – so? wirklich? sogleich, ehe jenes Recht der Kirche untersucht ist? – drängt sich das Bedenken auf, daß die Universitäten Sitze der freien Wissenschaft seyen“ So? Wo ist das Gesez enthalten, welches die Forschung auf den Universitäten unbedingt frei gäbe? Wo ist das Gesez, welches den Universitätslehrer berechtigte, alle Consequenzen auch nur der Philosophie zu ziehen und vorzutragen? „Und wenn die Kirche dennoch die Entscheidung haben und die Wissenschaft unter ihre Fittige nehmen sollte, dann wollten wir doch lieber Einen Pabst wünschen als einen tausendköpfigen, nämlich den Haufen.“ Als ob man auf die Wünsche eines solchen Herrn hören würde, eines Herrn, der mit seinen Wünschen oder Befürchtungen allein schon die Sache zu entscheiden meint! „So haben also, fährt der Herr nach dieser geistreichen Expectoration fort, beide Seiten gleich Recht und Unrecht“ (p. 11.) So? Also? Was für Seiten?
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So? Wo ist das Gesez enthalten, welches die Forschung auf den Universitäten unbedingt frei gäbe? Wo ist das Gesez, welches den Universitätslehrer berechtigte, alle Consequenzen auch nur der Philosophie zu ziehen und vorzutragen? „Und wenn die Kirche dennoch die Entscheidung haben und die Wissenschaft unter ihre Fittige nehmen sollte, dann wollten wir doch lieber Einen Pabst wünschen als einen tausendköpfigen, nämlich den Haufen.“ Als ob man auf die Wünsche eines solchen Herrn hören würde, eines Herrn, der mit seinen Wünschen oder Befürchtungen allein schon die Sache zu entscheiden meint! „So haben also, fährt der Herr nach dieser geistreichen Expectoration fort, beide Seiten gleich Recht und Unrecht“ (p. 11.) So? Also? Was für Seiten? Es scheint, daß ein „theologisches Votum“ unklar und unverständlich geschrieben seyn müsse. Die Universitäten mit ihrer Freiheit und die Kirche mit ihren Ansprüchen: sind das die Beiden, die gleich Recht und Unrecht haben? wenn sie es sind, weshalb haben sie denn beide gleich Recht und Unrecht? Aus dem unerhörten Grunde, weil der Votant es nicht zu sagen weiß. Gesezt den Fall, der theologische Votant hätte, was er doch nicht gethan hat, die Ansprüche der Kirche wirklich untersucht, so wäre damit die Sache noch lange nicht abgemacht, so wäre selbst dann, wenn die Ansprüche der Kirche noch so dringend wären, noch nicht einmal ausgemacht, ob sie überhaupt mit dem Recht der Universitäten in Collision kommen können.
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Wer die Freiheit der Universitäten mit den Ansprüchen der Kirche in Collision sehen will, muß zuerst beweisen, daß die Universitäten frei, geseßlich frei seyen ein Beweis, der sehr erwünscht wäre, wenigstens demjenigen sehr erwünscht seyn müßte, der es übernehmen wollte, die von allen religiösen Fesseln befreite Philosophie vorzutragen. Ich bin aber nicht nur aus dem Verbande mit der theologischen Facultät, sondern von der Universität überhaupt hinweg vertrieben: Das Ministerium fragte, ob mir nach dem Standpunkte, den ich nach meiner Schrift zu dem Christenthum einnehme, nach der Bestimmung der Universitäten, besonders aber der theologischen Facultäten auf denselben noch fernerhin die Erlaubniß zu lesen verstattet werden könne. Also auch für die philosophische Facultät ist es wichtig, welchen Standpunkt ein Lehrer zum Christenthum einnehme, also waren diejenigen etwas zu voreilig und allzuliberal, welche meinten, der Kritiker, der von der theologischen Facultät verstoßen ist, habe noch offenen Zutritt zu der philosophischen – als ob nicht die „hilflose“ Jugend auch die philosophischen Vorlesungen hörte und hier von dem Gifte bedroht würde, das man aus der theologischen Facultät zu ihrem Glück entfernt hat; also haben diejenigen allein Recht, welche vielmehr verlangen, daß auch die philosophische Facultät rein gehalten werde. Eine christliche Regierung kann, darf und wird nicht zugeben, daß eine unchristliche, unkirchliche und irreligiöse Philosophie – die Philosophie ist aber irreligiös – also daß Philosophie überhaupt in der philosophischen Facultät gelehrt werde.
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Es ist nicht wahr, daß die Universitäten „Sitze der freien Wissenschaft“ seyen. Es handelt sich jest nicht nur um die theologische Facultät, sondern um die Universitäten überhaupt, nicht um Eine Corporation, sondern die Corporation überhaupt. Als Corporation und Privilegium einzelner Begnadigter sind die Universitäten und die Lehrstühle sämmtlicher Facultäten theologisch.
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Es ist nicht wahr, daß die Universitäten „Sitze der freien Wissenschaft“ seyen. Es handelt sich jest nicht nur um die theologische Facultät, sondern um die Universitäten überhaupt, nicht um Eine Corporation, sondern die Corporation überhaupt. Als Corporation und Privilegium einzelner Begnadigter sind die Universitäten und die Lehrstühle sämmtlicher Facultäten theologisch. Theologisch sind alle Universitäts-Wissenschaften, weil sie dogmatisch und von Voraussetzungen bestimmt sind, und dieser ihr theologischer Charakter, der ihnen immer eigen war, enthüllt sich nur endlich in unsern Tagen, weil die wahre, freie Wissenschaft ihnen gegenübertritt. Hegel durfte noch in seinen Vorlesungen über das Naturrecht die constitutionelle Monarchie als diejenige Form darstellen, die dem Begriffe des Staats entspreche, durfte also noch von den Voraussetzungen der Regierung, in deren Interesse es lag, jene Staatsform als eine sehr unvollkommene bezeichnen zu lassen, abweichen – damals war die Freiheit und Unfreiheit auf den Universitäten noch nicht getrennt, beide durchdrangen sich noch: jeht aber muß das Theologische, das Unfreie allein herrschen, die Unfreiheit allein dominiren, die Voraussetzung allein bestimmen, jest, wo die Krisis eingetreten ist, wird jeder einzelne Staat vorschreiben, was im Naturrecht vorgetragen werden soll. Schwarzburg-Sondershausen und Schwarzburg-Rudolstadt werden jedes ein besonderes Compendium vorschreiben. Die Herrschaft der Compendien wird beginnen.
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Die theologische Facultät hat sich nur deshalb zuerst laut gemacht, in ihr mußte es zuerst zur Krisis kommen, weil sie vorzugsweise das Wesen der Universitäten überhaupt repräsentirt und nur die reine Darstellung des theologischen Wesens ist, welches allen Facultäten eigen ist.
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Die Wissenschaft hat mit den Universitäten überhaupt gebrochen, nachdem sie die Interessen – der Forschung – welche die Universitäten noch corporationsmäßig und durch privilegirte Voraussetzungen beschränkten, zu einer Wahrheit gemacht hat.
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Es würde vergeblich seyn, sie wegen ihres Attentats gegen das Privilegium in Anklagestand zu versehen: herrschten denn vor dem Ausbruche des Kampfes allein die Voraussetzungen, die man ihr jetzt entgegen hält? Sprach man nicht vielmehr selbst in der theologischen Facultät von Forschung, von freier Forschung, geht man nicht so weit, daß man sogar jetzt noch dieses Stichwort eines alten Zustandes im Munde führt, nachdem es die Wissenschaft zu einer Wahrheit gemacht hat, nachdem es innerhalb der Facultät zu einer Lüge geworden ist? die Wissenschaft ist durch die Aussagen und Stichworte ihrer Widersacher selbst berechtigt, ihr geschichtliches Recht liegt in dem Zustande, aus dem sich der Kampf entsponnen hat, und wenn man ihr die jetzigen Willensmeinungen, Tendenzen und Voraussetzungen der Facultäten entgegenhält, so beruft man sich auf einen völlig neuen Zustand, der sein Recht gegen die Wissenschaft erst zu beweisen hätte.
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Jeht, wenn sich die Krisis entscheidet, sind die Facultäten, Monopole, Privilegien nicht mehr dieselben, wie sie vor dem Ausbruche des Kampfes waren, d. h. nicht mehr die inconsequenten Monopole, Facultäten u. s. w., sondern neue Gestalten: die Consequenz der Facultät, das absolute Monopol, Privilegium, die vollendete Gnade und Willkühr – die ausschließliche Corporation, die reine Voraussetzung, die auch nicht einmal den Versuch machen darf, sich zu begründen.
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Wie meint nun der Herr Verfasser, daß zu helfen sey? Durch die Frage: „wie man doch (p. 11), da Wissen und Glauben längst auseinander gegangen sind, da die Wissenschaft sich längst in eine kirchliche und negative Richtung gespalten hat, immer noch die theologischen und philosophischen Facultäten zugleich als kirchliche und rein wissenschaftliche Institute betrachten könne.“ Die Interessen der Kirche und der Wissenschaft müsse man vielmehr (p. 12) „wie sie sich innerlich geschieden haben, so nun auch äußerlich trennen. „Dieser wichtige Schritt“ sey nur dadurch möglich, daß einerseits den Universitäten ihre Bedeutung, Sitz der freien Wissenschaft zu seyn, ungeschmälert gelassen wird, andrerseits aber die Kirche ihre eigenen Institute erhält, in denen ihre Diener herangebildet werden.
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„Immer noch die Vorstellung, als ob die Universitäten der Siz der freien Wissenschaft seyen! In dem Benehmen der theologischen Facultät verräth sich vielmehr ihr gesammtes, theologisches, unfreies Wesen, und wenn die Urfacultät fällt, so fallen alle andern Facultäten mit ihr, um sich ebenso wie ihr Muster, ihr Ideal, der Ausdruck ihres wahren Wesens, zu Seminarien und Abrichtungsanstalten umzubilden. Sie werden und sind Seminarien, mögen sie sich nun trennen oder als Unterabtheilungen einer Corporation noch so lange zusammenbleiben, bis die Geschichte dieses Ueberbleibsel des Mittelalters zusammenwirft und der Kirche es überläßt, für Anstalten zu sorgen, in denen ihre Diener abgerichtet werden.
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Jene Trennung aber, von der der Herr Verfasser spricht, macht sich selbst und ist bereits gemacht, wenn die Kritik und Forschung von der theologischen Facultät verstoßen ist.
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Obwohl er aber die Trennung fordert, so kann er sie im Grunde doch nicht ertragen. Er sucht den Riß zu verkleben, die Gränzlinien zu vertuschen, zum Beweise, daß er selbst noch Theologe seyn will. Denkt er daran, daß man bei jener Trennung „das Gespenst des Katholicismus“ fürchten könnte, so erwiedert er: „man vertraue (p. 14) auf die dem Protestantismus inwohnende Kraft.“ O, über die Kraft, die jene Sonderung der Theologie von der Wissenschaft nöthig machte! Ueber die Kraft, wenn der Protestantismus so nur mit der Wissenschaft fertig werden konnte, daß er sie floh oder mit Gewalt von sich stieß. Der Protestantismus vollendet vielmehr sein kirchliches, der Wissenschaft feindliches Wesen, wenn er sich von der Welt und deren Interessen isolirt: das sogenannte katholische Element wird er consequenter entwickeln als die katholische Kirche: er wird zeigen, was in diesem Grade die Welt noch nicht gesehen hat und vor ihm in dieser Vollendung nicht sehen konnte, was die religiöse Knechtschaft ist und wie fanatisch das Abhängigkeitsgefühl, wenn es wirklich zur unbedingten Anerkennung kommt, seyn kann und seyn muß.
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Weiter tröstet der Verfasser (ebend.): „Jene Scheidung des Kirchlichen und Wissenschaftlichen, die auf den ersten Anblick als Rückschritt erscheint, ist vielmehr das sicherste Zeichen des durch die Zeit geschehenen Fortschrittes“ — allerdings das Zeichen, daß die Menschheit, die Wissenschaft, die Kirche und Theologie fortgeschritten sind; die Menschheit wird von der Qual, Glauben und Wissen, die Religion und Vernunft zu „versöhnen und zu vermitteln“ befreit, die Wissenschaft wird von allen religiösen Voraussetzungen gereinigt, die Kirche und die sogenannte Theologie werden wirklich Kirche und Anleitung zum Kirchendienst, d. h. das Reich der reinen, gedankenlosen Vorausseßung, das Leben in dieser Vorausseßung und die Autologie derselben. Aber ist das auch ein Fortschritt für den Menschen-Geist in den Individuen, die sich dem Dienst dieser Vorausseßung widmen und Zeit ihres Lebens auch als Lehrer Nichts Anderes zu thun haben, als immer dieselbe Autologie zu lernen und vorzutragen?
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Ein neuer Trost! wenn die moderne Richtung die Herrschaft errungen und anerkanntermaßen den Sieg davon getragen hat, wenn sich die Kirche der Wissenschaft gegenüber nicht mehr halten könnte, dann ließe sich daran denken, die Wissenschaft unmittelbar! unmittelbar! auch in die Kirche einzuführen“ (p. 16, 17). „Wenn die Kirche sich nicht mehr vor der Wissenschaft halten kann!“ Sie bekennt ja, daß sie sich vor ihrem natürlichen Gegner nicht mehr halten kann, wenn sie sich vor ihm zurückzieht. Und „unmittelbar“ soll dann die Wissenschaft in die Kirche eingeführt werden? Durch ihren Rückzug in ihre Vorausseßung bekennt ja die Kirche, daß sie von der Wissenschaft Nichts wissen will, daß sie die Wissenschaft in ihre Mitte nicht eingeführt haben will; die Sache ist mit ihrem Rückzuge entschieden. Unmittelbar! Unmittelbar könnte nur heißen: ohne Kampf und Widerstand von Seiten der Kirche: aber nur das Todte leistet der eindringenden Gewalt keinen Widerstand: will man also in einen Leichnam, in ein Nichts die Wissenschaft einführen?
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„Einfluß der Wissenschaft auf die Kirche“ ist nur unter gewaltigen Kämpfen und Widerstand von Seiten der Kirche möglich. Diese Kämpfe sind zu Ende, wenn die Kirche flieht und sich isolirt. Auf die isolirte Kirche kann die Wissenschaft so wenig Einfluß haben als die christliche Kirche auf das Judenthum und Heidenthum. Der einzig mögliche Kampf ist nach der Beendigung der innern Krisis nur der Eroberungskrieg, durch welchen sich die Freiheit Anhänger und Bekenner gewinnt, und der einzig mögliche Einfluß ist jener geschichtliche, durch welchen das isolirte Institut in derselben Weise allmählig zerbröckelt, wie das römische Weltreich den Einflüssen des christlichen Glaubens erlag und in unsern Tagen z. B. die Pforte des Muhamedanismus den Einflüssen der europäischen Bildung sich öffnet.
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Als Ergebniß des unterhaltenden Zwiegesprächs mit dem theologischen Votanten können wir demnach unsern Lesern folgende Lösung der Collision mittheilen.
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Die Universität und die theologische Facultät im Besondern gestehen thatsächlich, daß ihr Monopol mit der freien Entwicklung der Wissenschaft nicht bestehen kann, sie sondern sich von der allgemeinen Bildung ab und werden Institute für beschränkte, rein positive Interessen: so lange wenigstens bleiben sie, was sie bereits sind, und fahren sie fort, ihr mittelalterliches Wesen uns noch mehr zur Erscheinung zu bringen, bis der Staat was aber nur unter der Voraussetzung seiner Wiedergeburt geschehen kann dazwischengreift und erklärt, er wolle nicht mehr den Geist der zukünftigen Bürger, die ihm in den wichtigsten Interessen dienen sollen, von vornherein in Abrichtungsanstalten herabgewürdigt und verdumpft wissen.
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Bis die Wissenschaft nach dem völligen Sturz des Monopols wieder in den Kreis der Interessen, deren freie Entwicklung der Staat als berechtigt anerkennt, eintritt und bis sie sich der Preßfreiheit erfreut, die ihr unumgänglich nothwendig ist, wenn sie alle Consequenzen ziehen und auch nur aussprechen soll, was die Welt von ihr zu erwarten habe: bis dahin wird sie eine exceptionelle Stellung einnehmen, da ihre Allgemeinheit überall von dem feudalistischen und christlichen Monopol und Privilegium bedroht wird, und sie wird diese Reibung mit den praktischen und beschränkten Interessen der untergehenden Zeit als einen Anlaß oder vielmehr als eine Mahnung betrachten, sich selbst von allen unberechtigten Voraussetzungen, die ihr aus ihrer bisherigen Verwicklung mit dem Monopol noch eigen waren, immer gründlicher zu befreien.
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Durch ihre Absperrung gegen die Wissenschaft haben die Kirche und Religiosität ausgesprochen, daß sie sind, was sie immer waren, was sich aber unter einem andern Schein verbarg, wenn sie für die Basis und nothwendige Begründung des Staats ausgegeben wurden — eine reine Privatangelegenheit. Auch damals, als sie mit dem Staate zusammenhingen und diesen zum christlichen machten, waren sie nur der Beweis, daß der Staat noch nicht seine allgemeine politische Idee entwickelt habe, daß er nur Privatrechte schütze. Sie waren nur der höchste Ausdruck dafür, daß der Staat eine Privatsache sey und nur mit Privatsachen zu thun habe.
202
Die Auflösung der Collision. Wenn der Staat endlich den Muth und die Kraft haben wird, seine allgemeine Bestimmung zu erfüllen und frei zu seyn, wenn er also auch im Stande ist, den besondern Interessen und Privat-Angelegenheiten ihre wahre Stellung zu geben — dann werden Religion und Kirche frei seyn, wie sie es bisher noch nie gewesen. Als die reinste Privat-Angelegenheit und Befriedigung des rein persönlichen Bedürfnisses werden sie sich selbst überlassen seyn und jeder Einzelne, jede Gemeinde und Kirchengemeinschaft werden für die Seligkeit der Seele sorgen können, wie sie wollen und wie sie es für nöthig halten. Für seiner Seele Seligkeit wird Jeder sorgen, so weit es ihm persönliches Bedürfniß ist, und als Seelsorger denjenigen annehmen und besolden, der ihm die Befriedigung seines Bedürfnisses am besten zu garantiren scheint. Die Wissenschaft wird endlich ganz aus dem Spiel gelassen.
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Es ist leicht, diesen Ausgang des Processes vorauszusagen, wenn wir nur die Augen zu öffnen brauchen, um zu bemerken, wie weit die Gleichgültigkeit gegen die freie Forschung sogar jetzt, im Augenblicke des Kampfes schon innerhalb der Corporationen um sich gegriffen hat.